KI im Mittelstand

EU AI Act 2026: Was jetzt gilt und was der Digital Omnibus verschoben hat

Der Zeitplan des EU AI Act hat sich 2026 geändert. Was für Ihr Unternehmen heute schon gilt, was durch den Digital Omnibus nach hinten gerückt ist und warum die meisten Mittelständler trotzdem schon jetzt handeln müssen.

Alexander Hirsch 06.06.2026 4 Min. Lesezeit Compliance

Wer 2026 nach dem EU AI Act sucht, findet widersprüchliche Aussagen: Die einen schreiben, ab August 2026 werde es ernst, die anderen, alles sei verschoben. Beides stimmt ein bisschen, und genau das verwirrt. Dieser Beitrag sortiert, was heute für Ihr Unternehmen gilt und was nach hinten gerückt ist.

Ein Hinweis vorab: Der EU AI Act und das Vereinfachungspaket sind politisch noch in Bewegung. Dieser Beitrag gibt den Stand zum genannten Datum wieder und ist keine Rechtsberatung. Für die verbindliche Bewertung arbeiten wir mit einer Datenschutz-Kanzlei zusammen.

Der ursprüngliche Zeitplan

Die EU-KI-Verordnung (Verordnung 2024/1689) trat am 1. August 2024 in Kraft und sollte gestaffelt anwendbar werden:

  • 2. Februar 2025: verbotene Praktiken (Artikel 5) und die KI-Kompetenz-Pflicht (Artikel 4).
  • August 2025: Pflichten für große Allzweck-KI-Modelle (die Technik hinter Werkzeugen wie ChatGPT) sowie die Governance- und Bußgeld-Regeln.
  • 2. August 2026: der Großteil der Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme.

Was der Digital Omnibus geändert hat

2026 kam Bewegung in den Zeitplan. Mit dem Vereinfachungspaket, oft Digital Omnibus oder KI-Omnibus genannt, hat die EU einige Pflichten entschärft und vor allem die Hochrisiko-Fristen nach hinten verschoben. Die EU-Kommission brachte das Paket am 19. November 2025 auf den Weg, am 7. Mai 2026 wurde eine politische Einigung erzielt.

Die nach der Einigung vorgesehenen neuen Fristen für Hochrisiko-Systeme (vorbehaltlich der finalen Annahme):

  • Systeme in den klassischen Hochrisiko-Bereichen (etwa Biometrie, kritische Infrastruktur, Bildung, Beschäftigung, Migration): ab dem 2. Dezember 2027.
  • KI, die in regulierte Produkte eingebaut ist (etwa Aufzüge oder Spielzeug): ab dem 2. August 2028.

Dazu kamen weitere Erleichterungen, unter anderem vereinfachte Anforderungen für kleinere Unternehmen.

Der entscheidende Punkt für den Mittelstand

Jetzt die wichtigste Unterscheidung, die in vielen Artikeln untergeht: Verschoben wurden die Hochrisiko-Pflichten. Die Pflichten für alltägliche KI-Nutzung wurden nicht verschoben.

Für die meisten Mittelständler ist das ausschlaggebend. Wenn Sie KI im Büroalltag einsetzen, um Texte zu schreiben, Daten auszuwerten oder E-Mails vorzubereiten, ist das in aller Regel kein Hochrisiko-System. Die verschobenen Fristen betreffen Sie also meist gar nicht.

Was Sie aber betrifft, ist die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4. Die gilt seit dem 2. Februar 2025 branchenübergreifend für jedes Unternehmen, das KI-Systeme einsetzt. Heißt: Wer im Haus KI nutzt, muss dafür sorgen, dass die Mitarbeiter ausreichend kompetent damit umgehen, und das nach Empfehlung der Bundesnetzagentur dokumentieren.

Auch Artikel 4 wird im Vereinfachungspaket angefasst, der finale Wortlaut war zum Stand dieses Beitrags aber noch nicht beschlossen. An der praktischen Empfehlung ändert das wenig: Wer KI im Betrieb einsetzt, fährt mit kompetenten, geschulten Mitarbeitern in jedem Fall besser, unabhängig davon, wie streng die Pflicht am Ende formuliert ist.

Was Sie jetzt tun sollten

Lassen Sie sich von der Schlagzeile “alles verschoben” nicht in falsche Sicherheit wiegen. Für den typischen Office-Mittelstand heißt der Stand 2026 konkret:

  1. Prüfen, ob Sie ein Hochrisiko-System einsetzen. Meist nicht. Falls doch, haben Sie durch die Verschiebung mehr Zeit, aber nicht beliebig viel.
  2. Die Kompetenzpflicht erfüllen. Das ist die Pflicht, die heute schon gilt und die fast alle betrifft: passende Schulung der Mitarbeiter, dokumentiert.
  3. Den Stand im Auge behalten. Da das Vereinfachungspaket noch nicht in jeder Einzelheit final ist, lohnt sich ein Blick auf den aktuellen Rechtsstand, bevor Sie größere Entscheidungen treffen.

Fazit

Der EU AI Act ist 2026 nicht weg, er ist umsortiert. Die großen Hochrisiko-Pflichten sind nach 2027 und 2028 gerückt. Die KI-Kompetenz-Pflicht aber gilt heute und betrifft praktisch jeden, der KI im Arbeitsalltag nutzt. Wer darauf wartet, dass “der AI Act kommt”, hat den Teil verpasst, der längst da ist.

Wir sagen Ihnen im Erstgespräch, was davon konkret für euch gilt und was eine im Prüfungsfall belastbare KI-Schulung in eurem Fall braucht.

Gilt der EU AI Act für euch?

Wir sagen euch, was eine im Prüfungsfall belastbare KI-Schulung in eurem Fall braucht.

Zur EU AI Act Schulung

FAQ

Häufige Fragen

Gilt der EU AI Act schon, oder wurde er verschoben? +

Beides. Die Pflichten für alltägliche KI-Nutzung, vor allem die KI-Kompetenz-Pflicht aus Artikel 4, gelten seit dem 2. Februar 2025. Das Vereinfachungspaket (Digital Omnibus) fasst auch Artikel 4 an, der finale Wortlaut war zum Stand dieses Beitrags aber noch nicht beschlossen. Verschoben wurden durch den Omnibus vor allem die Fristen für Hochrisiko-KI-Systeme.

Was ist der Digital Omnibus? +

Ein Vereinfachungspaket der EU, das einige Pflichten des AI Act entschärft und Fristen für Hochrisiko-Systeme nach hinten verschiebt. Die EU-Kommission brachte es am 19. November 2025 auf den Weg, am 7. Mai 2026 wurde eine politische Einigung erzielt. Da es politisch noch in Bewegung ist, sollte man den finalen Rechtsstand im Einzelfall prüfen.

Ist mein Mittelstandsunternehmen vom AI Act betroffen? +

Wenn Sie KI im Arbeitsalltag einsetzen, etwa ChatGPT oder Microsoft Copilot, dann ja, über die KI-Kompetenz-Pflicht. Die meisten Büro-Anwendungen im Mittelstand sind aber kein Hochrisiko-System, sodass die verschobenen Hochrisiko-Pflichten für Sie meist nicht der entscheidende Punkt sind.

Alexander Hirsch

Über den Autor

Alexander Hirsch

KI Manager (IHK)

Alexander Hirsch begleitet mittelständische Unternehmen bei der Einführung von KI im Arbeitsalltag, von der Tool-Auswahl über die Schulung der Belegschaft bis zur Workflow-Automatisierung. Förderfähiger Unternehmensberater und Pipedrive Authorized Partner.

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